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Gruppenausstellung
Phantastische Welten. Vom Surrealismus zum Neosymbolismus – Bilder dreier Generationen aus der Sammlung Axel Hinrich Murken
Gruppenausstellung
Von Beckmann bis Warhol – Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts aus der Sammlung Bayer
Rheinische Post
© Rheinische Post
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Projektmanagement
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Gruppenausstellung
Phantastische Welten. Vom Surrealismus zum Neosymbolismus – Bilder dreier Generationen aus der Sammlung Axel Hinrich Murken
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05.05. - 30.06.13
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Erholungshaus Bayer-Leverkusen
Alfred-Nobel-Straße 37
Leverkusen
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Eröffnung
05.05.13
12
-14 h
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Finissage
30.06.13
-0 h
Phantastische Welten

Vom Surrealismus zum Neosymbolismus – Bilder dreier Generationen aus der Sammlung Axel Hinrich Murken

Die Ausstellung „Phantastische Welten“ ist mit über 60 Gemälden, Grafiken und Zeichnungen neun surrealistischen und neosymbolistischen Malern von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart gewidmet. Seit 2009 feiert die Wanderausstellung mit Werken aus der Sammlung des Arztes und Kunsthistorikers Axel Hinrich Murken große Erfolge und wird nun im Kulturhaus der Bayer AG in Leverkusen gezeigt.

Gustave Moreau, Giorgio de Chirico, Salvador Dali, Max Ernst, René Magritte – jeder kennt die berühmten Namen des Symbolismus und Surrealismus, welche um 1900 und in den darauf folgenden Jahrzehnten ihre Blüte erlebten. Edgar Ende, Georges Spiro, Uwe Lausen und Christine Weber sind hingegen bisher nur den Kreisen der Kenner ein Begriff. Denn nach 1945 konzentrierte sich die Kunstszene zunächst - internationalen Anschluß suchend – nahezu ausschließlich auf abstrakte Formensprache.

Die Ausstellung zeigt, dass Künstler sich ungeachtet der jeweiligen Trends des Kunstmarktes kontinuierlich mit dem Imaginären und Surrealen beschäftigten und bis heute mit traumhaften Bildwelten an tiefere Bewusstseinsebenen appellieren. In Anlehnung an verschiedene stilistische Richtungen, wie flämische Altmeister, Goya, den Expressionismus, Hyperrealismus oder die Pop-Art, verfolgen die neun aus der Sammlung Murken ausgewählten Künstler ganz unterschiedliche Strategien, sich mit den jeweiligen Themen ihrer Zeit auseinanderzusetzen und diese in gegenständlichen und zugleich phantastischen Bildern zu vermitteln. Eine Zeit nach dem uneingeschränkten Glauben and Fortschritt und Wissenschaft bedarf sicherlich einer entsprechenden künstlerischen Form der Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen.

Der ersten Generation dieser Ausstellung sind die Künstler Edgar Ende (1901-1965), Karl Heidelbach (1923-1993) und Georges Spiro (1909-1984) zuzuordnen. Sie alle sind vor dem zweiten Weltkrieg geboren und haben – wie Spiro und Ende (übrigens Vater von Michael Ende, des Autors von „Momo“) – teils wesentlich direktere Sanktionen durch das Dritte Reich erlebt als es der Paradigmenwechsel in der Kunstgeschichte je hätte verursachen können. Sie beziehen sich auf die Malerei eines Giorgio de Chirico oder Salvador Dalì. Während Ende mit Bildern voller Archetypen in meist kleinteiligen Kompositionen Mythen in Kombination mit den Ideen eines C.G. Jung in seine Zeit transportiert - stets mit einem Hauch von Schwermut über seinen Werken schwebend - konzentriert sich Georges Spiro in ausgereiften Kompositionen vielmehr auf die Auslotung der Möglichkeiten der unterschiedlichen Malweisen, die unter dem Begriff des „Surrealismus“ zusammengefaßt werden.

Karl Heidelbach interessiert das Menschenbild, in seinen Bildern häufig dargestellt durch unbekleidete Frauentorsi. Die gesellschaftlichen Veränderungen der Nachkriegszeit kommentiert er künstlerisch in einer gekonnten Synthese aus Popart, neuer Sachlichkeit und Symbolismus.

Es folgen als zweite Gruppe Uwe Lausen (1941-1970), Roland Delcol (*1942) und Peter Bömmels (*1951). Ihre Kompositionen sind auf sehr unterschiedliche Weise eng verbunden mit dem Freiheitsgedanken der Hippiegeneration. Lausen formuliert bürgerliche Szenen voller Aggression („Tatort Wohnzimmer“). Innerhalb kürzester Zeit eignete er sich diverse Techniken und Stilmittel an, um dann seine Nähe zu Francis Bacon zu finden.
Dem gegenüber stehen die glatt und hyperrealistisch zur Schau gestellten nackten Körper bei Delcol häufig in einem kunsthistorischen Kontext. Er sucht sich allgemein bekannte Szenen aus der Kunstgeschichte und übersetzt diese in seine Manier: ein nacktes weibliches Modell vor zumeist undefiniertem, schwarzen Hintergrund. Die unbekleideten Frauen sind keineswegs als voyeuristische Opfer zu interpretieren, vielmehr stehen sie durch ihre selbstbewußte Attitüde für Freiheit und Unabhängigkeit.
Peter Bömmels fügt sich hier ein durch die Idee der Unbeschränktheit als Voraussetzung für die die Entwicklung des eigenen Potentials. Er ist fasziniert von Bands wie „Joy Division“, die genau dies mit ihren dilettantischen und zugleich von jeglichen Zwängen unbeschränkten Auftritten symbolisieren. Anfangs eingebunden in die aus einer Ateliergemeinschaft entstandenen Künstlergruppe „Mühlheimer Freiheit“ stellt er später selbst – ohne daß sie direktes Vorbild gewesen wären – eine stilistische Nähe zu Künstlern wie Goya, Munch und Maria Lassnig fest.

Edi Brancolini (*1946) tradiert im mitteleuropäischen Bewußtsein fest verankerte mythologische Themen mit Stilelementen des Symbolismus oder Anklängen an die Bewegung der Präraffaeliten künstlerisch in unsere Zeit und unterstreicht so eine zeitlose Allgemeingültigkeit bestimmter Motive.

Die zeitgenössische Malerei ist in der Ausstellung vertreten durch Christine Weber (*1963) und Frank Jakob Esser (*1970). Weber findet ihre Sujets in aktuellen Filmen und Zeitungen. Häufig ist die weibliche Protagonistin einer übermächtigen Bedrohung ausgesetzt. Diese Szenerie wird in Kontrast zu den malerischen Mitteln und reichen Farben der Arbeiten gebracht – stets mit kritischem Blick auf die Ästhetisierung der Berichterstattung in den gängigen Massenmedien.
Esser hingegen entführt den Betrachter in eine reine Märchenwelt - regelrecht barock in der Bildkomposition - in welcher es thematisch eher um feine Ironie und die Erlaubnis zum Träumen geht als um gesellschaftskritische Töne.

So entsteht in Phantastische Welten bei Bayer Kultur mit diesen neun Positionen auf jeweils unterschiedliche Weise ein spannender Dialog: zwischen Bewußtem und Unbewußtem, zwischen Wirklichkeit und Traum. Die opulente Malerei führt den Betrachter in eine Figurenwelt jenseits des alltäglichen Lebens, um ihm etwas zu schenken und anschließend - bereichert - wieder in seinen Alltag zu entlassen.